James-Bond-Lexikon / Die Filme / 007 jagt Dr. No

Die Geburt des Bond-Films
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7,2 / 10
3,4 / 5
78 / 100
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Mitwirkende
Weitere Daten
Budget
1 Mio. US-Dollar
Aufnahmetechnik
35 mm analog
Laufzeit
109 Minuten
Einspielergebnis
60 Mio. US-Dollar
007 jagt Dr. No ist der erste Bond-Film der offiziellen Reihe aus dem Jahr 1962 und zugleich der erste Film mit Sean Connery als James Bond.
- Entstehungsgeschichte und Produktion
- Gestaltung und Kritik
- Figuren und Handlung
- John Strangways und Mary Trueblood
- Einführung des Titelhelden James Bond
- Universal Exports, Miss Moneypenny und M
- Major Boothroyd und die Walther PPK
- Ein seltener Blick in Bonds Wohnung
- Bonds Ankunft auf Jamaika
- Der verdächtige Professor Dent
- Nächtliche Begegnung mit einer Vogelspinne
- Die verdächtige Miss Taro
- Das Ende von Professor Dent
- Nächtliche Überfahrt nach Crab Key
- Aufeinandertreffen mit Honey Rider
- Quarrels Tod
- Die Einführung des Bösewichts Dr. No
- Der beschwerliche Weg in die Freiheit
- Schlusstitel
- Einspielergebnis und Nachfolge
- Weitere Informationen zu diesem Film
- Quellen zu dieser Besprechung
Entstehungsgeschichte und Produktion
Historischer Kontext
Im August des Jahres 1962, dem Entstehungsjahr von 007 jagt Dr. No, wird Jamaika unabhängig von Großbritannien. Im Oktober erreicht der Kalte Krieg unter dem Regierungschef der Sowjetunion Nikita Chruschtschow und dem Präsidenten der USA John F. Kennedy mit der Kubakrise seinen Höhepunkt.
Ebenfalls 1962 gründet sich die Band Rolling Stones, während die Beatles ihre erste Single einspielen. Im August stirbt Marilyn Monroe. Im Dezember feiert der Film Lawrence von Arabien von David Lean seine Premiere in London.
Produktionsgeschichte
007 jagt Dr. No wurde von Januar bis März 1962 unter der Regie von Terence Young nach einem Drehbuch von Johanna Harwood, Richard Maibaum und Berkely Mather auf der Grundlage des sechsten Romans der Reihe – Dr. No von Ian Fleming – gedreht. Der 109 Minuten lange Film wurde von Albert R. Broccoli und Harry Saltzman für EON Productions produziert. Bildregisseur war Ted Moore, den Schnitt verantwortete Peter Hunt. Das Produktionsdesign stammt von Ken Adam. Das von Monty Norman komponierte James-Bond-Thema wurde von John Barry und seinem Orchester eingespielt.
Der Film wurde vom Verleiher United Artists mit folgendem Trailer beworben:
Die Produktionskosten für 007 jagt Dr. No betrugen rund 1 Mio. US-Dollar.
Die Uraufführung fand am 5. Oktober 1962 unter dem englischen Originaltitel Dr. No im London Pavilion statt.
Gestaltung und Kritik
Das cineastische Bond-Debüt 007 jagt Dr. No markiert nicht weniger als die Geburtsstunde eines Klassikers. Das bedeutet zweierlei: Zum einen ist klar erkennbar, dass alle folgenden Bond-Filme – jedenfalls der offiziellen Reihe – auf diesem Film beruhen. Zum anderen ist aber ebenso deutlich, dass der Film nur den Anfang der Reihe markiert und weder die James-Bond-Formel noch einige andere filmische Elemente bereits perfektioniert hat. So präsentiert sich der Film streckenweise eher als eine Art Reisebericht, der durch sein ungleichmäßiges Erzähltempo etwas ungeschliffen wirkt.
Dennoch weist 007 jagt Dr. No bereits viele derjenigen Elemente auf, die für die Bond-Filme zentral werden sollten. Eine Ausnahme bildet die Pre-Title-Sequenz, also der Prolog vor der Pistolenlauf-Sequenz. Sie fehlt hier noch. Für das heutige Publikum rechnet der Film insgesamt erkennbar einer anderen Epoche zu. Er ist aber rückblickend ebenso deutlich als Bond-Film identifizierbar. Gerade hierin, in der Variation innerhalb eines gesetzten Rahmens, zeigt sich eine künstlerische Leistung – nicht nur bei der Produktion des ersten, sondern auch bei der Produktion der späteren Bond-Filme.
Der erste Bond-Film der offiziellen Reihe ist bis in kleinere Rollen hinein überzeugend besetzt – von James Bond (Sean Connery), Dr. Julius No (Joseph Wiseman) und Honey Rider (Ursula Andress) über M (Bernard Lee) und Miss Moneypenny (Lois Maxwell) bis hin zur falschen Reporterin Annabel Chung (Marguerite LeWars).
Produktionsdesign
#Die von Ken Adam gestalteten Sets
Pistolenlauf-Sequenz
Der Film beginnt mit der berühmt gewordenen Pistolenlauf-Sequenz, die hier etabliert wird und in die der Schriftzug
HARRY SALTZMAN & ALBERT R.BROCCOLI present
(„HARRY SALTZMAN & ALBERT R.BROCCOLI präsentieren“, ohne Leerzeichen zwischen „R.“ und „BROCCOLI“) eingebettet ist. Zu sehen ist hier noch nicht James Bonds eigentlicher Darsteller Sean Connery, sondern Stuntman Bob Simmons. Simmons ist somit genau genommen der erste, der die Figur des James Bond innerhalb der offiziellen Reihe verkörpert hat.
Maurice Binder zeichnet nicht nur für die Gestaltung der Titelsequenz verantwortlich, sondern hatte auch die Idee zur Pistolenlauf-Sequenz. Er nahm hierfür mit einer Lochkamera das Innere eines Pistolenlaufs auf. Die Felder und Züge des Laufs sind in der Sequenz deutlich zu sehen. Als sich Bond zum Publikum dreht und schießt, ertönt zum ersten Mal das von Monty Norman komponierte und von John Barry eingespielte James-Bond-Thema.
Titelsequenz und Titelsong
Anders als in den späteren Filmen folgt auf die Pistolenlauf-Sequenz keine Pre-Title-Sequenz. Stattdessen schließt sich unmittelbar die Titelsequenz an. Zu sehen sind zunächst farbige Punkte, die sich auf der Leinwand nacheinander zu verschiedenen Mustern zusammenfügen. Sodann sehen wir schemenhaft dargestellte, ebenfalls farbig animierte Figuren, während die Musik vom James-Bond-Thema zu einem Stück im Calypso-Stil wechselt. Mehrere Frauen- sowie eine Männerfigur tanzen über die Leinwand, bis sie schließlich von drei – wiederum schemenhaft dargestellten – Bettlern mit Blindenstöcken abgelöst werden, die von links nach rechts durch das Bild laufen und den Blick des Publikums mittels Überblendung von der Titelsequenz in die erste Szene des Films führen. Die Darstellung der drei Bettler ist mit dem Song Three Blind Mice unterlegt, der wiederum den Calypso ablöst:
Filmmusik
Die Musik zu 007 jagt Dr. No bietet mit dem ikonischen James-Bond-Thema und dem ebenfalls sehr eingängigen Underneath the Mango Tree zwei frühe musikalische Höhepunkte der Serie.
Das James-Bond-Thema zieht sich konsequent durch den gesamten Film und steht als Leitmotiv für den Agenten 007. Auch insofern zeigt sich jedoch die Eigenschaft des Films als Frühwerk innerhalb der Serie. So markiert das Leitmotiv hier noch nicht so zielsicher wie in späteren Filmen besonders spektakuläre oder überlegene Aktionen von James Bond. Stattdessen ertönt es mehrfach, während Bond scheinbar wenig eindrucksvoll eine neue Umgebung auskundschaftet oder – ohne unmittelbare Bedrohung – seine Überlegenheit über sein Umfeld etabliert.
Abgesehen davon kann die streckenweise wenig einfallsreiche Filmmusik jedoch das Niveau des Films im Übrigen nicht halten.
Die stärkste und die schwächste Szene
#Die stärkste Szene des Films ist diejenige im Casino Le Cerce, in der James Bond in den Film und damit in die gesamte James-Bond-Reihe eingeführt wird.
#Die schwächste Szene des Films ist
Figuren und Handlung
Es folgt eine Beschreibung der Handlung von 007 jagt Dr. No und der in seinen # Szenen auftretenden Figuren.
John Strangways und Mary Trueblood
(1) In der ersten Szene des Films führen uns die drei Bettler mit ihren Blindenstöcken durch die Straßen von Kingston und schließlich auf den Parkplatz des Queens Club. (2) Im Club spielen vier Männer Bridge. Es handelt sich um den Verbindungsoffizier des MI6 für die Region Karibik Commander John Strangways (Tim Moxon), den Metallurgen Professor Dent (Anthony Dawson), den Kolonialsekretär Pleydell-Smith (Louis Blaazer) sowie General a. D. Potter (Colonel Burton). Wie jeden Tag verabschiedet sich Strangways am frühen Abend vorübergehend, um in seinem Haus einen wichtigen Anruf entgegenzunehmen.
(3) Auf dem Parkplatz des Clubs begegnet Strangways den drei Bettlern, denen er etwas Geld gibt. Als er in sein Auto steigen will, wird er von den drei Männern, die offenbar weder blind noch Bettler sind, mit fünf Schüssen hinterrücks getötet. Den Leichnam Strangways laden die drei Männer in einen heranrasenden schwarzen Wagen, bevor sie selbst einsteigen. Als der Wagen losfährt, spiegelt sich in seinen Seitenfenstern das Kamerateam – einer der noch relativ zahlreichen Filmfehler in 007 jagt Dr. No.
(4) Die nunmehr vier Häscher fahren zu Strangways Haus. Hier bereitet Mary Trueblood (Dolores Keator) den täglichen Funkspruch nach London vor, der nach einem strengen Zeitplan abzusetzen ist. Mit dem in einem Bücherregal verborgenen Funkgerät hat sie die Verbindung der von Strangways und ihr betreuten Station Karibik mit dem Stationscode W6N zum MI6-Hauptquartier in London (Stationscode: G7W) bereits hergestellt. Trueblood wartet nervös auf Strangways, doch auch sie wird von den vier Häschern überrascht und mit drei Schüssen getötet. Die Männer entwenden außerdem zwei Akten mit den Aufschriften CRAB KEY und DOCTOR NO.
Es handelt sich hier um die einzige bekannte Filmrolle der Schauspielerin Dolores Keator. Gedreht wurde die Szene in Keators Haus auf Jamaika.
Einführung des Titelhelden James Bond
Wir springen von Kingston ins nächtliche London, wo beim Royal Corps of Signals die Funksprüche aus den weltweit verteilten Sendestationen eingehen und auch der Versuch von Mary Trueblood, eine Verbindung mit London herzustellen, registriert worden ist. Die Sprechverbindung ist abgebrochen, was als Warnzeichen gedeutet und vom diensthabenden Foreman of Signals sogleich an den MI6 gemeldet wird.
Ein weiterer Szenenwechsel führt den Zuschauer in den feinen Londoner Club Le Cercle. Zugleich sehen wir hier das erste bemerkenswerte Set des Filmarchitekten Ken Adam. Ein Nichtmitglied verlangt am Eingang zum Club nach einem gewissen James Bond, der sogleich vom Clubdiener gesucht wird. An einem der Spieltische erblicken wir eine elegante Dame im roten Kleid (Eunice Gayson), wie sie Baccarat spielt. Von ihrem männlichen Gegenspieler, der die Bank hält und gewinnt, sind auf Grund der Kameraeinstellung nur die Hände zu sehen. Die Dame lässt sich nicht entmutigen, obwohl das Glück auf Seiten der Bank zu sein scheint. Ihr Gegenspieler beginnt daraufhin folgenden Dialog:
»I admire your courage, Miss …«
»Trench. Sylvia Trench. I admire your luck, Mister …«
»Bond. James Bond.«
(»Ich bewundere Ihren Mut, Miss …« – »Trench. Sylvia Trench. Ich bewundere Ihr Glück, Mister …« – »Bond. James Bond.«) Der Gegensatz von »Mut« (»courage«) und »Glück« (»luck«) zeigt deutlich, dass Trench in diesem Dialog gegenüber Bond die Oberhand behält. Bei den Worten »Bond. James Bond.« sehen wir den sich nach dem von Sylvia Trench vorgegebenen Muster vorstellenden James Bond (Sean Connery) zum ersten Mal in der Naheinstellung, während das James-Bond-Thema ertönt.

Bond, der ein Hemd von Turnbull & Asser und einen Smoking von Anthony Sinclaire trägt, zündet sich während seiner Vorstellung lässig eine Zigarette an. Auf eine Erhöhung des Limits lässt er sich bereitwillig ein. Noch einmal gewinnt er mit neun gegen Trenchs acht Punkte, bevor er vom Clubdiener fortgerufen wird.
Hier die am 2. März 1962 gedrehte und mittlerweile berühmt gewordene Szene, mit der James Bond eingeführt wird:
Mit zahlreichen selbstbewusst vorgetragenen Anspielungen verabschieden sich Trench und Bond voneinander. Musikalisch untermalt wird die Szene vom James-Bond-Thema.

Universal Exports, Miss Moneypenny und M
Der herbeigerufene Bond erscheint in den Londoner Räumen seines Arbeitgebers »Universal Exports«, der Deckfirma des britischen Auslandsgeheimdienstes MI6. Er betritt das mit Blumenbildern geschmückte Vorzimmer seines Vorgesetzten, wirft seinen Hut mit einer gekonnten Handbewegung auf den Kleiderständer und beginnt, mit der charmanten Sekretärin Miss Moneypenny zu flirten.

Nach kurzer Zeit zeigt ein von Rot nach Grün wechselndes Licht über der doppelten, mit Leder gepolsterten Tür an, dass Bond eintreten möge. Als Bond das mit einer Churchill-Büste sowie mit Gemälden und Modellen von Schiffen dekorierte Dienstzimmer seines Vorgesetzten M (Bernard Lee) mit den Worten »Guten Abend, Sir!« (»Good evening, Sir!«) betritt, weist dieser ihn ohne ein Wort der Begrüßung darauf hin, dass es 03:00 Uhr am Morgen sei. Auf die Frage »Wann schlafen Sie eigentlich, 007?« (»When do you sleep, 007?«) antwortet Bond: »Jedenfalls nie im Dienst, Sir.« (»Never on the firm’s time, Sir.«) M, von dem nicht klar wird, ob er zu dieser Zeit noch immer arbeitet oder ob er ausnahmsweise so früh im Büro erschienen ist, klärt Bond darüber auf, dass die Funkverbindung zur Station Jamaika am Abend abgebrochen ist. Nachforschungen hätten ergeben, dass sowohl der Verbindungsoffizier der Region Strangways als auch dessen Sekretärin Trueblood verschwunden seien. Strangways habe zuletzt einen Bericht der Amerikaner überprüft, wonach deren von Cape Canaveral gesteuertes Raketenprogramm gestört worden sei. Die Amerikaner vermuten die Quelle der Störung in der Region Jamaika.
M erregt sich zusehends und versucht, zur Beruhigung seine Pfeife anzuzünden. Ein von Bond angebotenes Feuerzeug ignoriert er. Die CIA habe einen gewissen Felix Leiter nach Jamaika geschickt, um mit John Strangways zusammenzuarbeiten. Bond, der angibt, bereits von Leiter gehört zu haben, sei auf den 07:00-Uhr-Flug nach Kingston gebucht. Über das Intercom ruft M nach dem Waffenmeister, bevor er Bond den Auftrag erteilt, herauszufinden, was mit Strangways geschehen ist.
Major Boothroyd und die Walther PPK
Als der Waffenmeister eintritt, fordert M Bond auf, sein Jackett auszuziehen und seine Waffe auszuhändigen. Mit Missbilligung nimmt M zur Kenntnis, dass Bond noch immer eine Handfeuerwaffe vom Typ Beretta trage. Der Waffenmeister soll Bond zum letzten Mal über diese Pistole aufklären. Er beschreibt Bonds Beretta M1934 als angenehm zu tragende, leichte Waffe, die gut in eine Damenhandtasche passe, aber keine Stoppwirkung habe. Bond widerspricht: Die Beretta leiste ihm seit zehn Jahren gute Dienste. M erinnert ihn daran, dass die Waffe bei Bonds letztem Einsatz versagt habe, was für 007 einen sechsmonatigen Krankenhausaufenthalt nach sich zog. Sein Doppelnullstatus bedeutet eine Lizenz zu töten, nicht getötet zu werden. Zudem führt M an, die Todesrate in der Doppelnullabteilung sei um 40 % gefallen, seit er die Leitung des MI6 (tatsächlich spricht M hier trotz der hörbar nachbearbeiteten Tonspur vom »MI7«) übernommen habe. Dies solle so bleiben. Wolle Bond nicht zurück in den Innendienst wechseln, habe er von nun an eine Waffe vom Typ Walther zu tragen. Zähneknirschend erklärt sich Bond einverstanden.
Der Waffenmeister (Peter Burton) präsentiert eine Pistole, die er als Walther PPK bezeichnet, bei der es sich tatsächlich jedoch nicht um die Kurzversion PPK, sondern um die Standardversion Walther PP handelt – einer von mehreren Filmfehlern in Bezug auf Waffen. Die neue Pistole zeichne sich vor allem durch eine hohe Durchschlagskraft aus, so dass insbesondere die amerikanische CIA auf sie schwöre. M dankt dem Waffenmeister, den er nun als Major Boothroyd anspricht, und schickt ihn und Bond fort. Bond ruft er jedoch an der Tür zurück – mit der Bitte, er möge die Beretta dalassen. Diese hatte Bond heimlich wieder an sich genommen, bevor er ging. Eine weitere Unterhaltung zwischen Bond und Moneypenny im Vorzimmer verhindert M, indem er seine Sekretärin über das Intercom anweist, Bond nicht weiter aufzuhalten, da dieser in Eile sei. Als er geht, schenkt Bond Moneypenny zum Abschied die Holzkiste der Walther PPK.
Ein seltener Blick in Bonds Wohnung
Zum ersten von insgesamt nur drei Malen in der Reihe (siehe daneben in Leben und sterben lassen sowie Spectre) sieht der Zuschauer nun James Bond in seiner Privatwohnung. Bereits kurz nach dem Betreten des mit Bildern von Automobilen geschmückten Appartements hört Bond aus dem Wohnzimmer Geräusche. Als er mit gezogener Waffe die Tür zum Wohnzimmer aufstößt, erkennt er Sylvia Trench, die ein Nachthemd trägt und sich die Zeit mit Minigolf vertreibt. Mit ihrer Anziehungskraft kann sie Bond leicht überzeugen, vor seiner Abreise noch Zeit für sie zu finden.
Bonds Ankunft auf Jamaika
Bond landet an Bord einer Maschine der Fluggesellschaft Pan American vom Typ Boeing 707 – womöglich ein versteckter Hinweis auf seine Kennnummer 007 – auf dem Palisadoes Airport (heute Norman Manley International Airport) auf Jamaika. Der Flug mit der Flugnummer 323 hat ihn aus New York nach Kingston gebracht. Bonds Ankunft wird im Terminal von CIA-Agent Felix Leiter (Jack Lord) beobachtet. In letzter Sekunde kann Bond mit seinem Hut verhindern, dass eine vermeintliche Reporterin (Marguerite-LeWars)#, die chinesische Kleidung trägt,# ein Foto von ihm macht. Bevor er ein Taxi nehmen kann, wird Bond von einem Fahrer (Reginald Carter) angesprochen, der sich als Mr. Jones vorstellt und behauptet, vom Gouverneur geschickt worden zu sein, um Bond abzuholen. Durch einen Anruf in der Residenz des Gouverneurs findet Bond jedoch heraus, dass – wie vereinbart – kein Fahrer geschickt worden ist, um kein Aufsehen zu erregen. Bond lässt sich jedoch gegenüber Mr. Jones nichts anmerken, steigt in dessen Wagen und bittet darum, umhergefahren zu werden. CIA-Agent Felix Leiter nimmt die Verfolgung auf.
Es entwickelt sich eine Verfolgungsjagd, die Bond dadurch beendet, dass er Mr. Jones scharf rechts abbiegen lässt. Bond geht davon aus, der Verfolger stecke mit Mr. Jones unter einer Decke. Er zwingt Jones mit vorgehaltener Waffe zum Aussteigen und will ihn zum Reden bringen. Doch nach kurzem Kampf beißt Jones lieber auf eine Zyankali-Kapsel, die in einer Zigarette versteckt ist, als seinen Auftraggeber preiszugeben, was Bond sichtlich erschreckt.
Bond steuert den Wagen nun selbst zu seiner Verabredung mit dem Kolonialsekretär und hält vor dessen Residenz, den toten Mr. Jones auf der Rückbank. In der Residenz weiß sich der Kolonialsekretär keinen Reim auf die Vorgänge zu machen. Polizeikommissar Duff (William Foster-Davis) teilt mit, der Wagen sei gestohlen, der bisher nicht identifizierte Fahrer stamme nicht aus Kingston. Bond lässt sich berichten, dass die drei Männer, mit denen Strangways im Queens Club Bridge spielt, diejenigen Personen sind, die ihn vor seinem Tod zuletzt gesehen haben. Neben dem Kolonialsekretär sind dies der Metallurge Professor Dent sowie General a. D. Potter. Bond möchte die Männer unauffällig treffen und dafür vom Kolonialsekretär in die Bridge-Runde eingeführt werden. Zuvor wünscht er jedoch das Haus von Strangways zu sehen.
Mit Kommissar Duff kommt Bond am Haus von Strangways an. Als die beiden aussteigen, laufen im Hintergrund – allein von Kommissar Duff kurz bemerkt – die drei Bettler mit ihren Blindenstöcken vorbei. Im Haus ist ein Blutfleck zu sehen. Das Blut der Blutgruppe 0 Rh+ stammt von Mary Trueblood, der Sekretärin von Commander Strangways. Das im Bücherregal verborgene Funkgerät war noch eingeschaltet, als die Polizei eintraf. In einem Buch des schottischen Geologen Charles Lyell mit dem Titel Geological Configuration. II Eastern Caribbean findet Bond eine Quittung des Labors von Professor Dent über eine geologische Analyse. Auf einem Foto erkennt Bond neben Strangways den Mann, der den Wagen Fuhr, der Bond auf der Fahrt vom Flughafen zur Residenz des Gouverneurs verfolgt hat. Es handelt sich um Quarrel, einen ortsansässigen Fischer.
In seinem Hotelzimmer angekommen lässt sich Bond einen Vodka-Martini »medium-dry« zubereiten, und zwar »mixed like you said, Sir, not stirred« (hieraus wird in der deutschen Synchronfassung jedoch ein Vodka-Martini »trocken, wie Sie gesagt haben, nicht umgerührt«). Bond sichert – ganz im Stil eines Geheimagenten – seinen Koffer sowie die Türen des Kleiderschranks mit Talkum beziehungsweise mit einem Haar, um Nachstellungen später erkennen zu können, bevor er zum Queens Club aufbricht.
Im Queens Club, wo eine Band das Stück im Calypso-Stil aus der Titelsequenz spielt, erfährt Bond von General a. D. Potter, dass sich Strangways in den vergangenen Wochen häufig von Quarrel habe aufs Meer hinausfahren lassen. #Dent kennt neue Sekretärin# Bei Quarrel handele es sich um einen Fischer von den Cayman Islands, dessen Boot im Hafen liege.
Bond sucht Quarrel (John Kitzmiller) am Hafen auf. Dieser gibt sich jedoch zunächst abweisend. Auf Bonds Frage, wohin er Strangways in den vergangenen Wochen mit seinem Boot gebracht habe, antwortet er ausweichend und provokant. Auch weigert er sich, Bond mit seinem Boot hinauszufahren. Bond verfolgt Quarrel bis zu einem Hafenrestaurant, in dem Quarrel ihn in einen Hinterhalt lockt. Quarrel und der Restaurantinhaber Puss Feller (Lester Pendergast) greifen Bond an, dem es jedoch gelingt, die beiden Männer zu überwältigen. Plötzlich steht derjenige Mann mit gezogener Waffe in der Tür, der Bond bereits seit seiner Ankunft am Flughafen beobachtet hatte.
Der Mann nimmt Bond seine Walther PPK ab und lässt ihn von Quarrel durchsuchen. Daraufhin reicht er Bond seine PPK zurück und stellt sich als Felix Leiter von der CIA vor – beide Männer kämpfen auf derselben Seite. Leiter berichtet, er habe Bond bereits am Flughafen erkannt, allerdings Verdacht geschöpft, als dieser mit einem Helfer der Gegenseite im Wagen davongefahren sei. Leiter stellt Bond noch einmal die beiden Verbündeten Quarrel und Puss Feller vor.
Den Abend verbringen Bond, Leiter und Quarrel in Puss Fellers Strandbar, in der Gäste ausgelassen zur Musik einer kleinen Band tanzen. Leiter berichtet, die Amerikaner seien aufgrund ihres Raketenprogramms nervös. Strangways sei jedoch davon ausgegangen, die Störungen könnten nicht von der Insel stammen. Quarrel berichtet, Strangways und er hätten beinahe alle Inseln im Umkreis sorgfältig untersucht. Nur Crab Key hätten sie nicht genauer untersuchen können, da sie die Insel nicht haben betreten dürfen. Bevor Leiter genauer ausführen kann, versucht dieselbe Frau, die Bond bereits am Flughafen fotografieren wollte, noch einmal, ein Foto von ihm zu machen. Wieder trägt sie ein Kleid im chinesischen Stil. Bond befiehlt Quarrel, die Frau und ihre Kamera herbeizuholen. Die Frau behauptet zunächst, als freie Fotografin für den Daily Gleaner zu arbeiten. Obwohl Quarrel ihr den Arm verdreht und Schmerzen zufügt, will sie ihren wahren Auftraggeber nicht nennen. Nachdem sie Quarrel mit einer zerbrochenen Blitzbirne im Gesicht verletzt hat, zerstört Bond ihre Aufnahmen, um sie dann gehen zu lassen. Die Frau schwört, dass die drei Männer die Aktion bereuen würden. Bond wirft die Frage auf, wer seine Leute derart in Angst und Schrecken versetze, dass sie freiwillig Zyankali schlucken oder sich den Arm brechen lassen, statt ihren Auftraggeber zu verraten.
Leiter berichtet weiter, Crab Key gehöre einem Chinesen, der niemanden auf die Insel lasse. Amerikanische Aufklärungsflugzeuge hätten auf Crab Key nichts als eine Bauxit-Mine und ein Radar-Frühwarnsystem. Beides sei nicht illegal. Quarrel zeigt sich eingeschüchtert, da Freunde von ihm, die einst zu Crab Key ausgefahren waren, nicht zurückgekommen seien. Leiter bestätigt, dass die ortsansässigen Fischer einen Bogen um die Insel machen. Quarrel berichtet, er habe Strangways nur bei Nacht auf die Insel gebracht, um Gesteins-, Sand- und Gewässerproben zu nehmen und sogleich zurückzufahren. Bond beginnt, sich für Crab Key zu interessieren. Doch das einzige, was Leiter über den Eigentümer der Insel berichten kann, ist dessen Name: Dr. No.
Als Bond an diesem Abend in sein Hotel zurückkehrt, wird ein Anschlag der drei vermeintlichen Bettler, die bereits Commander Strangways getötet haben, auf sein Leben durch einen zufällig vorbeifahrenden Wagen vereitelt.
Der verdächtige Professor Dent
Am nächsten Morgen sucht Bond Professor Dent in dessen Laboratorium auf, das mit einem Strauß Strelitzien dekoriert ist. Das Set für Dents Laborräume ähnelt auffällig dem Set, das für Bonds Hotelzimmer verwendet wird – womöglich eine Konzession an das relativ geringe Produktionsbudget des Films. Bond befragt Dent nach der Bedeutung der Quittung, die er in Strangways Haus gefunden hatte. Laut Dent handelte es sich um Gesteinsproben, die jedoch keinerlei Besonderheiten aufgewiesen haben. Auf Bonds Frage, ob die Proben womöglich von Crab Key stammten, antwortet der sichtlich nervöse Professor Dent, dies sei aus geologischen Gründen ausgeschlossen.
Nach Bonds Besuch drängt Professor Dent einen der Fischer, ihn nach Crab Key zu fahren. Der Zuschauer sieht eine – teilweise mithilfe von Modellen gefilmte – industrielle Hafenanlage auf der Insel. Der sichtlich verängstigte Professor Dent wird von Wachen in einen modernen anmutenden Raum mit automatischen Schiebetüren gebracht. Durch einen kreisrunden, mit einem Gitter versehenen Ausschnitt in der Decke fällt Licht in den Raum. In einer leicht erhöhten Ecke steht ein einzelner Stuhl. Dieses von Ken Adam gestaltete Set wirkt simpel und eindrucksvoll, schlicht und erdrückend zugleich.
Eine elektrisch verstärkte, ruhige Stimme fordert Dent auf, Platz zu nehmen. Auf die Frage, warum er bei Tageslicht gekommen sei und damit seine Anweisungen missachtet habe, antwortet Dent – hilflos in den Raum sprechend –, er habe keine Wahl gehabt, da Bond ihn am Morgen aufgesucht habe. Die Stimme fragt, warum Bond trotz des Befehls, ihn zu töten, noch immer am Leben sei. Dent antwortet: »Unsere Versuche sind fehlgeschlagen.« (»Our attempts failed.«), woraufhin ihn die Stimme korrigiert: »Ihre Versuche. Fehlschläge schätze ich nicht. Sie werden hoffentlich nicht noch einmal versagen, Professor?« (»Your attempts failed. I do not like failure. You are not going to fail me again, professor?«) Die Stimme stellt klar, dass Dent verantwortlich sei, wenn Bond es unternehme, auf Crab Key Untersuchungen anzustellen. Mit einer Vogelspinne soll Professor Dent Bond in der folgenden Nacht töten.

Nächtliche Begegnung mit einer Vogelspinne
Als Bond am Abend in sein Hotelzimmer zurückkehrt, ergibt die Überprüfung der zuvor angebrachten Sicherungen, dass das Zimmer in der Zwischenzeit durchsucht worden ist. In der Nacht wacht Bond plötzlich auf. Unter seiner Bettdecke kommt eine Vogelspinne hervorgekrochen, die seinen linken Arm und seine Schulter hinaufläuft. Bond beobachtet das Tier aus nächster Nähe, gezeichnet von der Angst vor einem Biss. Als die Spinne schließlich auf sein Kopfkissen läuft, springt der schweißgebadete Agent in hohem Bogen aus dem Bett, um das Tier mit einem Schuh totzuschlagen. Bond betrachtet die Szene für eine Sekunde, hält sich dann den Bauch und verlässt das Zimmer in Richtung Bad.
Trotz erkennbarer technischer Tricks wirkt die Szene bis heute eindrucksvoll und verstörend auf den Zuschauer:
Die verdächtige Miss Taro
Am folgenden Morgen sucht Bond erneut den Kolonialsekretär Pleydell-Smith in der Residenz des Gouverneurs auf. Die Sekretärin des Kolonialsekretärs Miss Taro (Zena Marshall) teilt auf Nachfrage mit, dass die beiden Akten zu Dr. No verschwunden sind. Bond ist angesichts dieser Nachricht nicht überrascht. Er nimmt ein Paket an sich, das mit der Diplomatenpost aus London für ihn angekommen ist. Beim Hinausgehen überrascht er mit Absicht Miss Taro, die an der Tür gelauscht hatte. Ihre peinliche Berührung nutzt er aus, um sich für den Nachmittag mit ihr zu verabreden.
In dem Paket aus London befand sich ein Geigerzähler, mit dem Bond nun Quarrels Boot untersucht. Auch Felix Leiter stößt hinzu. Es zeigt sich, dass an der Stelle des Bootes, an der die Gesteinsproben von Crab Key lagen, erhöhte Strahlungswerte nachzuweisen sind. Das Gestein der Insel ist also radioaktiv, obwohl Professor Dent behauptet hatte, es weise keinerlei Besonderheiten auf.
Bond will Crab Key in der folgenden Nacht besuchen. Es gelingt ihm jedoch nur mit Mühe, Quarrel dazu zu bringen, sich auf dieses Abenteuer einzulassen. Dieser fürchtet sich nicht zuletzt vor einem Drachen, den es auf der Insel geben soll. Schließlich verabreden sich Bond, Leiter und Quarrel für den Abend, um zu Crab Key überzusetzen.
Miss Taro erreicht Bond per Telefon in seinem Hotel. Sie schlägt vor, dass er sie in ihrem Haus in den Bergen besuche. Die Strecke von Kingston bis zu ihrer Adresse (von ihr angegeben als Magenta Drive 239) erklärt sie ihm genau. Auf halbem Weg wird Bond jedoch von einem Wagen verfolgt, der versucht, ihn mit halsbrecherischen Manövern von der Fahrbahn zu drängen. Als plötzlich ein Baufahrzeug die Straße versperrt, kann Bond mit seinem flachen Cabriolet darunter hindurchfahren, während die Verfolger selbst von der Straße abkommen und einen Abhang hinunterstürzen, woraufhin ihr Wagen explodiert.
Als Bond bei Miss Taro ankommt, ist diese sichtlich irritiert, ihren Gast zu sehen. Sie hat soeben geduscht und erhält nun einen Anruf. Mit gedämpfter Stimme informiert sie den Anrufer, dass Bond soeben bei ihr erschienen sei. Sie werde versuchen, ihn für einige Stunden in ihrem Haus festzuhalten. Als sich Bond nähert, legt sie auf, um sich ihm hinzugeben.
Später besteht Bond darauf, ein Taxi zu rufen, um in Kingston essen zu gehen. Das Taxi bestellt er an die Adresse 2171 Magenta Drive, was Miss Taro durch Kopfnicken bestätigt – obwohl sich die Adresse von derjenigen unterscheidet, die sie Bond gegeben hatte. Erst als Bond sie in den Wagen setzt, erkennt Miss Taro, dass es sich nicht um ein Taxi handelt. Im Fonds sitzt Kommissar Duff. Bond hat die Polizei verständigt, die Miss Taro nun abholt. Als der Wagen losfährt, spuckt sie Bond, der zurückbleibt, ins Gesicht – eine letzte Geste der Verachtung.
Bond kehrt zurück in das Haus von Miss Taro, spielt auf dem Plattenspieler Underneath the Mango Tree ab und richtet alles so her, als ob Miss Taro und er im Bett schliefen, um sich dann mit geladener Waffe und aufgestecktem Schalldämpfer in einem Sessel hinter der Schlafzimmertür zu postieren und zu warten. Interessanterweise handelt es sich bei der Waffe, die hier zu sehen ist, jedoch weder um die Walther PP beziehungsweise Walther PPK, mit der Bond zuvor in London ausgestattet worden war, noch um die bis dahin von ihm verwendete Beretta M1934, sondern um eine Browning M1910 – ein weiterer Filmfehlen in Bezug auf die von ihm verwendete Waffe.
Das Ende von Professor Dent
Nachdem sich Bond einige Zeit mit Patience vertrieben hat, betritt ein Mann das Haus, öffnet vorsichtig die Schlafzimmertür und zielt auf das Bett, um die darin vermeintlich Schlafenden mit sechs Schüssen zu töten. Es handelt sich um Professor Dent, den Bond nun mit vorgehaltener Waffe stellt, noch immer im Sessel sitzend. Bond schaltet das Licht ein und beginnt ein Gespräch mit Dent, in dem er diesem mitteilt, dass er bereits im Queens Club Verdacht gegen Dent geschöpft habe, denn Dent habe als einziger Strangways neue Sekretärin gesehen. Zudem habe Dent später nicht erwähnt, dass die von Strangways gesammelten Gesteinsproben radioaktiv waren. Während des Gesprächs versucht Dent, seine auf dem Boden liegende Waffe zu erreichen, was Bond offenbar ignoriert. In dem Moment, in dem Dent offenbaren will, für wen er arbeitet, nimmt er die Waffe vom Boden auf, richtet sie auf Bond und drückt ab – doch ohne Erfolg. Bond bemerkt kühl: »Sie haben ’ne sechsschüssige Smith Wesson und die sechs Dinger sind in der Matratze.« (»That’s a Smith & Wesson. And you’ve had your six.«) Auch hier handelt es sich allerdings bei der Waffe, die in der Szene zu sehen ist, nicht um eine Smith & Wesson, sondern um eine Colt M1911A1. Diese hat auch nicht sechs, sondern sieben Schuss, so dass Professor Dent in Wahrheit einen weiteren Schuss gehabt hätte, um Bond zu töten.
Bond tötet den nunmehr wehrlosen Professor Dent aus geringer Entfernung mit zwei Schüssen aus seiner Waffe, bevor er den Schalldämpfer abzieht und mit Verachtung auf die Leiche des Professors blickt:
Nächtliche Überfahrt nach Crab Key
Am Abend trifft Bond aufgrund der Komplikationen mit Miss Taro deutlich verspätet Felix Leiter und Quarrel am Hafen. Die drei Männer fahren mit zwei Booten – einem Motor- und einem Segelboot – hinaus. Quarrel ist nervös angesichts der Reise nach Crab Key. Nach einiger Zeit wechseln Bond und Quarrel in das unmotorisierte Boot, um keine Aufmerksamkeit zu erregen, während Leiter das motorisierte Boot zurückfährt, bevor er sich noch mit einer letzten Bemerkung über Quarrels Angst vor Crab Key mit und dem angeblich auf ihr lebenden Drachen lustig macht.
Nach einigen weiteren Seemeilen holt Bond auch das Segel ein, um nicht vom Radar erfasst zu werden. Auf der Insel angekommen, befiehlt er Quarrel, das Boot zu tarnen. Quarrel betäubt seine Angst weiter mit dem Rum, den er als einzige Verpflegung mitgenommen hat.
Aufeinandertreffen mit Honey Rider
Am nächsten Morgen wird Bond in seinem Versteck von einer Frauenstimme geweckt, die in der Ferne erklingt. Eine unbekannte, blonde Schönheit (Ursula Andress) singt das Lied Underneath the Mango Tree, während sie nur mit einem weißen Bikini bekleidet aus dem Meer steigt und an den Strand kommt, um die von ihr gesammelten Muscheln zu säubern. Bond beobachtete die Unbekannte zunächst aus der Deckung, gibt sich dann jedoch zu erkennen, indem er laut in den Refrain ihres Liedes einstimmt. Die Unbekannte erschrickt und vermutet, Bond wolle ihre Muscheln stehlen. Sie fasst jedoch nach kurzer Zeit Vertrauen und stellt sich als Honey Rider vor, während Bond nur seinen Vornamen James nennt.

Als Bond erfährt, dass Rider ein Segelboot genutzt hat, um auf die Insel zu kommen, ahnt Bond, dass sie entdeckt wurden. Und tatsächlich warnt Quarrel in diesem Moment vor einem Schnellboot, das sich rasch nähert:
Die Vorstellung von Honey Rider erinnert an die Darstellung der Venus im Gemälde Die Geburt der Venus von Sandro Botticelli:


Schießen, erwischen jedoch nicht und kündigen an, mit Hunden zurückzukommen. Bond: Maschinengewehr, kein Drache. Doch Honey bestätigt Quarrels Erzählung, auf der Insel gebe es einen Drachen. Honey stellt Bonds Zweifel an der Existens in Frage, indem sie zeigt, dass sie mehr Naturphänomene beobachtet habe als er. Zudem besteht sie selbstbewusst darauf, erst dann die Insel zu verlassen, wenn es ihr passe. Als sie sieht, dass ihr Boot durch den Beschuss Leck geschlagen ist, ist sie jedoch einverstanden, Bond und Quarrel über die Insel zu folgen. Rider führt sie durch Brackwasser, um ihre Fährte vor den Hunden zu verschleiern.

Dennoch kommen die Männer mit den Spürhunden näher. Bond, Quarrel und Honey verstecken sich im Wasser vor den bewaffneten Männern, indem sie durch Halme atmen. Die Männer lassen sich von ihrer Fährte abbringen. Nur einer kommt ihrem Versteck nahe. Ihn tötet Bond mit einem Messer, was Honey entsetzt beobachtet. Sie fragt “Warum?” (“”), was Bond mit “Because I had to.” (“”) beantwortet. Bond, Quarrel und Rider bewegen sich weiter über die Insel.
Bei einer Pause an einem Wasserfall waschen sich Bond und Rider, als Quarrel Alarm schlägt. Er und Rider identifizieren Reifenspuren und eine verkohlte Stelle auf dem Boden als Spuren des vermeintlichen Drachen. Quarrel übernimmt die Wache. Bond pflegt seine Waffe und unterhält sich mit Rider, die aus ihrer Vergangenheit erzählt. Vater, Enzyklopädie, Schwarze Witwe ##
Quarrels Tod
Im Dunkel der Nacht treffen Bond, Quarrel und Rider auf etwas, das Quarrel als den gefürchteten Drachen identifiziert. In Wahrheit handelt es sich um ein dieselgetriebenes Gefährt, das mit Scheinwerfern und Flammenwerfern ausgestattet ist. Quarrel wird durch die Flammenwerfer getötet. Bond und Rider ergeben sich den mit Schutzanzügen bekleideten und bewaffneten Männern, die aus dem Gefährt steigen. Rider versucht sich zu wehren, woraufhin sie niedergeschlagen wird. Bond versucht einzugreifen, woraufhin er bewusstlos geschlagen wird. Bond und Rider werden in ein Versteck gebracht, wo mehr Männer in Schutzanzügen warten. Die beiden werden mit Geigerzählern auf Radioaktivität getestet. Wegen zu hoher Werte werden sie in einer Art Waschstraße dekontaminiert, nachdem sie sich entkleidet haben.
Durch eine Schleuse betreten sie das Innere des Verstecks, dass offenbar im Innern eines Bergs auf der Insel liegt. Für ihre Ankunft ist alles vorbereitet. Die beiden werden von mehreren Damen höflich empfangen. “Der Doktor” erwarte die beiden zum Abendessen. Bond und Rider werde auf eine großzügige Suite geführt, wo bereits frische Kleidung in ihrer Größe sowie ein Frühstück auf sie warten. Bond mahnt zur Vorsicht, da die Zimmer vermutlich abgehört würden. Er bemerkt jedoch zu spät, dass der Kaffee, den beide getrunken haben, mit einem Schlafmittel versetzt ist. Bond und Rider brechen bewusstlos zusammen.
Die Einführung des Bösewichts Dr. No
Durch eine Tür betriff ein Mann in weißer Hose und weißen Schuhen die dunkle Suite. Es handelt sich um den Bösewicht Dr. No, der hier erst nach 01:24 h Laufzeit, also nach mehr als drei Vierteln des Spielzeit des Films eingeführt wird – bis heute ein Rekord unter allen Bond-Filmen. #Barcelona-Stühle, Mies van der Rohe, Barcelona Pavillon# Als Dr. No Bonds Bettdecke anhebt und seinen Kopf und Oberkörper betrachtet, sieht der Zuschauer, dass Dr. No künstliche Hände hat, die von schwarzen Handschuhen bedeckt sind. Dr. No hat folglich eine Behinderung, die bis in die neuesten Filme Kennzeichen des Bösewichts ist. Sein Gesicht bleibt uns dagegen weiterhin verborgen.
Als Bond und Rider wieder zu sich gekommen sind und sich angekleidet haben, ist es Zeit für das Abendessen mit Dr. No. Die beiden werden durch ein teilweise gemaltes Set und über einen Aufzug in den Speisesaal geführt. Blickfang des luxuriös ausgestatteten Saals ist eine Glassscheibe, durch die Fische im Meer zu sehen sind – der gesamte Saal befindet sich offenkundig unter Wasser. Hinter Bond und Rider ist plötzlich eine Stimme zu hören, die “” (“One Million Dollars, Mr Bond. You were wondering what it cost.”) sagt. Die Stimme gehört Dr. No, der den Saal betritt und den wir nun zum ersten Mal in Gänze sehe. Er trägt ein Jackett mit verdeckter Knopfleiste und Mao-Kragen – ein Element, das bis in die neuesten Filme Kennzeichen des Bösewichts ist. Dr. No entschuldigt sich dafür, seinen Gästen nicht die Hand zu geben und begründet dies mit seinen künstlichen Händen, die er infolge eines Unfalls trage. Das Aquarium mit seiner konvexen Scheibe, die einen Vergrößerungseffekt bewirke, habe er selbst entworfen. Bond bemerkt, dass es sich bei den Fischen hinter Scheibe folglich um Zwerge handele, die vorgeben, Riesen zu sein – ganz wie Dr. No auf seiner Insel. Es handelt sich dabei um eine erste gezielte Provokation, die Dr. No zu ignorieren versucht.
Duke of Wellington , Bond schaut #
Nach dem Abendessen berichtet Dr. No mit Bezug auf seine künstlichen Hände, eine Behinderung sei das, was man daraus mache. Er sei der ungewollte Sohn eines deutschen Missionars und eines chinesischen Mädchens aus guter Familie. Er habe die Position des Schatzmeisters der mächtigsten kriminellen Vereinigung in China erreicht. Bond bemerkt, es sei unüblich für die Tong, einem Mann zu vertrauen, der nicht vollständig chinesischer Abstammung ist. Dr. No bezweifelt, dass sie es erneut tun würden: Er sei vor den Tong in die USA entkommen, zusammen mit 10 Mio. USD aus ihrer Kasse in Gold. Diese Ressourcen haben es ihm erlaubt, sein Quartier auf Crab Key aufzubauen, das mit Atomkraft betrieben wird. Durch seine Arbeit habe er umfassende Kenntnisse auf dem Gebiet der Radioaktivität erworben – allerdings zu einem hohen Preis, nämlich dem Verlust seiner Hände. Bond gibt an, der britische Geheimdienst sei zunächst ratlos gewesen angesichts der Aktivitäten auf Crab Key, befinde sich nun aber durch einen vollständigen Bericht Bonds im Bilde über die Vorgänge. Dr. No entlarvt dies als Bluff, da Bond seinen Dienst nach der Anforderung des Geigerzählers nicht mehr kontaktiert habe. Dr. No zeigt sich bereit, im Detail Auskunft zu geben, da er Bond für den einzigen Mann hält, der diese Informationen verstehen und wertschätzen könne.
Bond schlägt vor, dass Rider nicht weiter in die Sache hineingezogen werde. Tatsächlich ist Dr. No bereit, sie von seinen Wachen wegführen zu lassen. Da sie sich wehrt, wird sie von diesen jedoch grob behandelt. Bond springt auf und greift nach einer Champagnerflasche, um in das Geschehen einzugreifen. Dr. No weist darauf hin, es handelte sich um einen Dom Pérignon Jahrgang ’55, um den es schade wäre. Bond erwidert, er selbst bevorzuge den ’53er. Dr. No zeigt sich enttäuscht angesichts des plumpen Vorgehen Bonds, in den er kurz zuvor noch große Hoffnungen gesetzt hatte. Wieder provoziert Bond Dr. No gezielt, indem er fragt, ob die Ablenkung US-amerikanischer Raketen wirklich für den Verlust der Hände kompensiere. Auf die Frage, ob Dr. No für den Ostblock arbeite, antwortet dieser, bei Ost und West handele es sich lediglich um Richtungen auf dem Kompass, eine so dumm wie die andere. Er dagegen sei ein Mitglied der Organisation SPECTRE, Special Executive for Counterintelligence, Terrorism, Revenge and Extortion, die vier Ecksteine der Macht. Die Organisation werde angeführt durch die hellsten Köpfe der Welt. Bond korrigiert: Es handle sich wohl lediglich um die hellsten kriminellen Köpfe. Dr. No entgegnet, der erfolgreiche kriminelle Kopf sei stets überlegen. Bond wirft die Frage auf, ob der Westen nicht einen Wissenschaftler vom Format Dr. Nos begrüßen würden. Dr. No bezeichnet die Amerikaner als Dummköpfe, die seine Dienste abgelehnt hätten. Gleiches gelte für den Ostblock. Beide würden für ihre Fehler bezahlen. Bond macht sich über den Traum, die Welt zu beherrschen, lustig, indem er ausführt, die Irrenanstalten seien voll von Menschen, die sich für Napoleon oder für Gott hielten. Dr. No zeigt sich daraufhin erneut enttäuscht von Bond, den er nur deshalb nicht längt habe töten lassen, weil er außergewöhnlich erfolgreich gewesen sei und ihn dadurch beeindruckt habe.
Dr. No habe geglaubt, es gäbe einen Platz für Bond in der Organisation SPECTRE. Bond entgegnet, er würde die Abteilung “Rache” (“Revenge”) bevorzugen, denn seine erste Aufgabe müsste es sein, den Mann zu finden, der Strangways und Quarrel auf dem Gewissen habe. Dr. No zeigt sich enttäuscht. Er habe Bond überschätzt. Dieser sei nicht mehr als ein dummer Polizist, den sein Glück nun verlassen habe. Dr. No wird in den Kontrollraum gerufen. Bond wird – für die Zuschauenden nur teilweise zu sehen – von den Wachen zusammengeschlagen:
Der beschwerliche Weg in die Freiheit
Bond erwacht in einer Zelle, gezeichnet von den Misshandlungen durch die Wachen. Durch einen Luftschacht bahnt er sich seinen Weg in die Freiheit, indem er verschiedene Abschnitte des Schachts überwindet, die durch elektrischen Strom, Hitze und Wasser gesichert sind. Als er ans Ende des Schachts gelangt, findet er sich in der Dekontaminationsanlage, über die Rider und er zuerst in das Versteck gelangt waren. Er überwältigt einen der Angestellten und verkleidet sich, indem er dessen Schutzanzug anzieht. So gelangt er in den futuristischen Kontrollraum, in dem der Reaktor gesteuert wird und in dem sich auch Dr. No befindet.
Das Set für dem Kontrollraum wurde von Ken Adam gestaltet und kostete rund 100.000 USD – ein Zehntel des gesamten Budgets des Films. Im Kontrollraum werden gerade die Vorbereitungen zur Ablenkung einer weiteren US-amerikanischen Rakete getroffen. Bond nutzt seine Tarnung, um unter den Augen Dr. Nos und seiner Mitarbeiter einen Kontrollingenieur zu überwältigen und den Reaktor auf ein gefährliches Leistungsniveau hochzufahren. Der Kontrollraum wird daraufhin evakuiert. Es entwickelt sich ein Faustkampf zwischen Bond und Dr. No unmittelbar über dem Reaktor, den Bond deshalb gewinnt, weil sich Dr. No mit seinen mechanischen Händen nicht an dem Gerüst des Reaktors halten kann und so in das kochend heiße Kühlwasser des Reaktors abrutscht. Bond entkommt aus dem Reaktorraum und macht sich auf die Suche nach Rider, die er auf dem Boden eines Raums angekettet findet, kurz bevor sie von einströmendem Wasser ertränkt wird. #ursprünglich King Crabs, aber am Set halb tot, daher mit Überflutung statt Krabben gedreht#
Bond und Rider entkommen mit einem kleinen Motorboot von der Insel, die in diesem Moment von Explosionen erschüttert wird. Als ihnen der Treibstoff ausgeht, treiben sie im Boot auf dem offenen Meer. Bond schlägt vor, dass sie die Zeit auf dem Boot genießen statt zu schwimmen. Nach einer Weile werden sie von einem Boot der britischen Navy aufgegriffen, auf dem sich Felix Leiter befindet. Bond wirft ein Seil hinüber, damit Rider und er abgeschleppt werden können. Zu den Kängen von Mango Tree sehen wir, wie Bond und Rider auf dem abgeschleppten Boot einander hingeben, während Bond langsam das Seil losmacht, so dass die beiden in ihrem Boot weiter auf dem offenen Meer treiben.
Schlusstitel
Nach der Einblendung des Schriftzugs »The End« folgen die kürzeste Schlusstitel aller Bond-Filme. In der oberen Hälfte der Titel ist durch einen rot gefärbten Pistolenlauf hindurch erneut Bob Simmons als James Bond zu sehen, der scheinbar auf den Zuschauer schießt.
Einspielergebnis und Nachfolge
In den Kinos spielte 007 jagt Dr. No rund 60 Mio. US-Dollar ein – bis heute das im Verhältnis zu den Produktionskosten von rund 1 Mio. US-Dollar relativ beste Einspielergebnis aller Bond-Filme.
Auf 007 jagt Dr. No folgte im Jahr 1963 Liebesgrüße aus Moskau, der zweite Bond-Film der offiziellen Reihe.
Weitere Informationen zu diesem Film
Offizielle Seite zu 007 jagt Dr. No auf 007.com
Kritik zu 007 jagt Dr. No von Nick Cramp für die BBC
Kritik zu 007 jagt Dr. No von Bosley Crowther in der New York Times
Kritik zu 007 jagt Dr. No von Jake Tropile für Film Inquiry
Quellen zu dieser Besprechung
März 2026